Was ist der Schlaf?

Professor Dr. Jürgen Zulley, international renommierter Schlafforscher und Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums Regensberg:

„Man könnte sagen, der Schlaf ist die Kehrseite des Wachseins, wenn auch keineswegs das völlige Gegenteil.

Die beiden wechseln sich rhythmisch ab, und das unweigerlich. Am leichtesten lässt sich der Schlaf definieren, wenn man einen anderen Schläfer anschaut:

Er hat die Augen geschlossen und reagiert nur auf sehr starke Reize, etwa laute Töne, heftige Berührungen oder grelles, direktes Licht.

Erstaunlicherweise analysiert das Hirn auch im Schlaf fast jeden Reiz. Wenn es ihn aber als ungefährlich bewertet, sieht man dem Schlafenden gar nichts an: Er schläft einfach weiter.“

Ins Bett gehen

Aus: NZZ am Sonntag, 25. Januar 2004, S. 82, Lebenskunst

Ah, welche Wohltat! Abends ins Bett zu schlüpfen, sich zwischen die Kissen kuscheln und dazhinzudämmern in der Wärme, die alle Kälte abweist.

Aber haben Sie schon einmal bedacht, in welchem Museumsstück Sie da eigentlich schlafen?

Ich meine nicht Ihr Bett persönlich, sondern das Bett an sich. Eigentlich wäre es überfällig mal was Neues zu erfinden.

Woher kommt das Bett?
Einst erwarb der Mensch die aufrechte Haltung, dann bemerkte er, wie ermüdend sie ist; seither sucht er die Erholung in der Horizontalen.

Sehen wir die lange Geschichte, die zum Bett führt, im Zeitraffer, dann erscheint zuerst eine Ecke in der Höhle als Schlafstelle. Höhlenzeichnungen künden vom frühen Erwachen der Erregung, denn die liegende Haltung scheint auch der Liebe förderlich zu sein.

Tierfelle polstern schon mal den Untergrund. Gesten und Gebräuche entwickeln sich, die nicht für andere Augen bestimmt sind. Wände wachsen zur Abschirmung in die Höhe, auch zum Schutz vor wilden Tieren.

Spät erst entsteht das Gestell, das wir gewohnt sind, Bett zu nennen; auf einen Sockel wird es gestellt wie ein Altar, der Phantasie der Ausgestaltung sind keine Grenzen gesetzt.

Im schönsten Bett aber lag ich einmal in Indien. Ein hochgestelltes Blech im Sand am Ufer des Ganges schützte mich gegen den kalten Wind.

Da kam spät noch ein junger Mann vorbei und meinte, das sei kein bequemer Platz zum Schlafen.

Er bot mir einen Platz in seiner Hütte an und deutete auf den nackten Boden in der Ecke des Raumes. Meinem Blick entnahm er, dass offenbar noch was fehlte, und so gab er mir auch noch ein Kopfkissen: Es war ein Ziegelstein. Ich schlief wunderbar.

Seither weiss ich, was das Bett in Wahrheit ist: eine Stelle im Raum. Eine Nische, in der der Mensch wohnt, wenn er „nicht bei sich ist“.

Der Rest ist Luxus. Aber den geniesse ich seither sehr bewusst.“    Wilhelm Schmid

Über den Schlaf - ein Geschenk der Götter

Hypnos und ThanatosAus der griechischen Mythologie kennen wir Hypnos als Gott des Schlafs und den Sohn der Nacht, den  Zwillingsbruder des Todes ( Thanatos). Auf griechischen Vasen wird er als geflügelter Jüngling dargestellt, mit einem Füllhorn, aus dem er den Schlaf giesst. Morpheus ist sein Sohn, der Gott der Träume. Er erscheint den Schlafenden nachts in menschlicher Gestalt.

Der Schlaf ist ein Miraculum! Kein anderer Zustand fasziniert den Menschen so sehr. Er ist eine prächtige Reise in andere Welten. Besondere Rätsel gibt der Schlaf auch deshalb auf, weil wir nicht wissen, dass wir schlafen.

Einige Gedanken an die schönsten Augenblicke der vergangenen Stunden, die Auge schliessen und sanft in Morpheus’ Arme sinken – erholsame Nachtruhe ist ein erquickendes Geschenk der Götter.